Medial, digital, hybrid

Der Corona-Lockdown im Frühjahr hat in vielen Kirchengemeinden einen medialen Schub ausgelöst: Gottesdienste wurden gefilmt, gestreamt und gesendet. Telefonandachten wurden auf Anrufbeantworter gesprochen. Pfarrer:innen und Konfirmand:innen wurden zu Medienprofis. Auf YouTube und per Zoom wurde mit neuen, interaktiven Andachtsformaten experimentiert.

Die neuen Erfahrungen haben neue Fragen aufgeworfen: Wie „real“ ist eine „nur virtueller“ Gottesdienst? Sind Teilnehmer:innen einer Internetandacht weniger „präsent“, als wenn sie in der Kirche säßen? Und: Wie lassen sich die „analoge“ und die „digitale“ Welt miteinander verbinden?

Für die Advents- und Weihnachtstage bieten die (gar nicht immer so) neuen Medien jedenfalls unverhoffte Möglichkeiten:

  • Analoge Veranstaltungen (Adventsfeier, Christvesper, Krippenspiel …) werden digital verbreitet: als Stream, zum Download, per Mail, über WhatsApp, auf einer Open-Air-Leinwand …
  • Kurzandachten (10-15 Minuten) werden aus der eigenen Kirche gestreamt (O du fröhliche, zwei kurze Impulse …).
  • 5-Minuten-Impulse (Weihnachtsgeschichte und Musik) werden zum Online-Abruf gestellt oder auf Anrufbeantworter gesprochen.
  • Die Weihnachtsgeschichte wird als Adventskalender in 24 Kapitel auf YouTube erzählt.
  • Die offenen TV- und Radio-Kanäle (Bürgerradio/-fernsehen) werden für die Übertragung nutzen.
  • Weihnachtsgottesdienste werden aufgezeichnet und bei YouTube zu festem Termin gestartet (Premiere-Funktion)
  • Die Gemeinde-Website wird zum Weihnachtsportal, auf der Fotos, Tonaufzeichnungen, Bilder der Gemeinde, Fotos der Krippe etc. abgerufen werden können.
  • Kinder und Konfirmand:innen erstellen einen digitalen Stop-Motion-Film über die Weihnachtsgeschichte.
  • Statements von Gemeindegliedern werden aufgenommen und zu einer facettenreichen Predigtcollage zusammengeschnitten.
  • Die Weihnachtskollekte für Brot für die Welt wird digital eingesammelt (z. B. per Paypal oder über die KD-Onlinespende ). Der QR-Code wird auf Liedblätter gedruckt und in Gottesdienstvideos eingebettet).

Dank des Internets sind die einstigen Fernsehzuschauer:innen nicht länger zur Passivität verdammt. Digitale Medien brechen die traditionelle Einweg-Kommunikation auf und bieten Gelegenheit zum Dialog, zur Interaktion und zur Partizipation:

  • Mitfeiernde eines gestreamten Gottesdienstes senden ihr Feedback, ihre Gedanken und Fürbitten per Chat, Mail oder Messenger. Diese Rückmeldungen fließen live in den Gottesdienst ein.
  • Gottesdienste werden auf einer Konferenz-Plattform (Zoom o. ä.) gefeiert. Z. B. so: Jede:r bringt einen Gegenstand mit, der für sie/ihn zu Advent Weihnachten dazu gehört; darüber kommt man dann ins Gespräch.
  • Per Zoom zieht die Gemeinde — wie beim „lebendigen Adventskalender/Adventsfenster“ — von Haus zu Haus.
  • Übrigens — wichtig, um die die (noch) nichtdigitale Generation einzubeziehen –: In Videokonferenzen kann man sich auch per Telefon einwählen!

Weitere Hinweise und Tipps zu digitale und hybriden Gottesdiensten sind auf der EKD-Seite „Hybride Gottesdienste feiern“ verlinkt.

Wie bei jeder Mediennutzung gilt es auch bei audiovisuellen und digitalen Medien, den Wert des lokalen Bezugs gegen die Herausforderung einer konkurrenzfähigen Optik abzuwägen. Wer einen persönlichen Bezug zur eigenen Gemeinde und deren Protagonist:innen hat, zieht die Amateuraufnahmen aus der Heimatgemeinde möglicherweise dem ZDF Fernsehgottesdienst vor. Menschen ohne einen solchen Hintergrund messen kirchliche Übertragungen dagegen eher an professionellen, kommerziellen Standards. So behalten die verschiedenen Formate alle ihr Recht und sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden: der Gottesdienststream aus der Kirche im eigenen Viertel, die professionell produzierte YouTube-Andacht ebenso wie der monatelang vorbereitete und live gesendete Fernsehgottesdienst.

Dieser Beitrag basiert auf den Ideen, die die Teilnehmenden des LÖSUNGSRAUMS „Wie werden wir 2020 Advent und Weihnachten feiern?“ am 20.08.2020 gesammelt haben.

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  • Maren Weber